Kirchenchor Ottersdorf im Vor-Corona-Alltag angekommen
Krise gut bewältigt / Verstärkung aus Plittersdorf / Viele Aktionen im laufenden Jahr
Der Kirchenchor Ottersdorf hat die Coronakrise gut überstanden. Das wurde bei der Generalversammlung des Cäcilienvereins St. Ägidius Ottersdorf am 7. März 2023 im katholischen Gemeindehaus deutlich. Mit 30 Personen war die Veranstaltung gut besucht. Auch der Jahresbericht, den die Vorsitzende Marlis Camboni in Vertretung der verhinderten Schriftführerin Monique Hübner verlas, zeigte, dass die Sangesgemeinschaft aus Ottersdorfer und Plittersdorfer Mitgliedern wieder im Vor-Corona-Alltag angekommen ist.
Im Frühjahr 2022 wurden die regelmäßigen Präsenzproben wieder aufgenommen und seither auch zahlreiche Auftritte absolviert, etwa bei der Verabschiedung von Pfarrer Michael Dafferner, der Einführung des neuen Leiters der Kirchengemeinde Iffezheim-Ried, Vincent Padinjarakadan, bei den Patrozinien in Plittersdorf und Ottersdorf sowie den Weihnachtsgottesdiensten in den beiden Riedgemeinden. Das gesellschaftliche Leben des Vereins erhielt ebenfalls neuen Schwung. So feierten die Sängerinnen und Sänger im November 2022 nach zweijähriger Pause in gewohntem Rahmen ihre Cäcilienfeier. Dass der Chor derart gut über die Coronakrise gekommen ist, schrieb Camboni dem großen Engagement von Dirigent Erwin Groß zu, der die Sängerinnen und Sänger mit Online-Proben und Schola-Auftritten bei der Stange gehalten habe, und dankte ihm herzlich für seine Arbeit. Groß gab das Lob zurück und bezeichnete Camboni als „Architektin des Zusammenhalts“, die die Truppe in der schweren Zeit zusammengeschweißt habe.
Zur guten Entwicklung des Chors haben auch die Neuzugänge aus dem Kirchenchor Plittersdorf beigetragen, der sich zum Jahresende 2022 offiziell aufgelöst hat. Damit wurde die Vereinigung der beiden Chöre, die 2019 mit einer Kooperation begonnen hatte, erfolgreich abgeschlossen.
Der Bericht der Schatzmeisterin Monika Höllig zeigte, dass der Verein auch finanziell auf gesunden Füßen steht. Zwar wies die Bilanz 2022 ein leichtes Minus auf, weil keine Veranstaltungen zur Generierung von Einnahmen durchgeführt werden konnten, doch das ändert sich im laufenden Jahr. So übernimmt der Chor am 1. und 2. April die Bewirtung bei der Pflanzenpräsentation „Frühlingszauber“ (ehemals Kamelientage) der Gärtnerei Klingmann. Außerdem ist für November nach dreijähriger Pause wieder die Aufführung eines Mundarttheaterstücks geplant.
Die Kassenprüfer Hans Butz und Walter Himmel bescheinigten Höllig eine einwandfreie Arbeit. Und so wurde die Schatzmeisterin ebenso wie der Gesamtvorstand unter der Leitung von Pfarrer Padinjarakadan einstimmig entlastet. Der Leiter der Kirchengemeinde zeigte sich dankbar für die Arbeit des Chors: „Ich freue mich immer sehr, wenn Sie die Gottesdienste mitgestalten.“ Wie Dirigent Groß bekanntgab, stehen die nächsten Auftritte am Karfreitag und in der Osternacht in Ottersdorf, sowie in der Festmesse am Ostersonntag in Plittersdorf an. Zudem bietet das laufende Vereinsjahr weitere Highlights: Zum einen soll es erstmals eine Stimmbildungsschulung geben, zum anderen organisiert die Vorsitzende gemeinsam mit ihrem Mann Robert Camboni für die Mitglieder und Freunde des Chors im September eine Studienfahrt nach Frankreich an die Loire.
Zwei Wermutstropfen blieben aber bei der Versammlung: Marlis Camboni kündigte an, dass sie im nächsten Jahr nicht mehr als Vorsitzende kandidieren wird. Außerdem zeigten sich die Chormitglieder besorgt über den geplanten Abriss des Gemeindehauses.
Sorgen um Probenraum
Die Mitglieder des Kirchenchors Ottersdorf nutzten die Anwesenheit von Pfarrer Padinjarakadan, um ihrem Präses die Sorgen um einen künftigen Probenraum vorzutragen. „Wenn das katholische Gemeindehaus wie geplant abgerissen wird, wird der Chor und die ganze kirchliche Arbeit im Ort auseinanderfallen“, so der Tenor einiger emotionaler Wortbeiträge. Auch die Ministranten und die Katholische Frauengemeinschaft seien dann heimatlos.
Der Pfarrer zeigte Verständnis, machte aber geltend, dass er neu in der Kirchengemeinde sei und sich noch keinen ausreichenden Einblick in das Thema habe verschaffen können. Er übergab Dirigent Erwin Groß das Wort, der sich in seiner Funktion als Sprecher des Gemeindeteams bereits umfassend mit der Problematik befasst hat. Groß verwies auf den maroden Zustand des Gemeindehauses. Für die Sanierung des Gebäudes wären 300.000 bis 400.000 Euro notwendig. Die Erzdiözese Freiburg wolle das Gemeindehaus auch deshalb aufgeben, weil die Kirchengemeinde Iffezheim-Ried mit Gemeindehäusern „überversorgt“ sei. Die aktuelle Planung sehe daher vor, das Gebäude abzureißen und ein Seniorenheim zu bauen. In dieses Gebäude solle dann – nach dem Wunsch der Kirchengemeinde – ein Gemeinschaftsraum integriert werden, der von den kirchlichen Gruppen und weiteren Ottersdorfer Vereinen genutzt werden könne. Die Kosten für diesen Raum sollen durch den Verkauf des Pfarrhauses gedeckt werden, für das allerdings kein Kaufinteresse bestehe. Das liege nicht zuletzt an der teuren Erbpacht, von der die Verrechnungsstelle der Kirche nicht abrücke. Aus diesem Grund seien auch die Verhandlungen mit Investoren für das geplante Seniorenheim schwierig. Aktuell gebe es nur ein Unternehmen, das bereit wäre, das Projekt umzusetzen. Erschwerend komme hinzu, dass das neue Gebäude in das Ortsentwicklungskonzept passen müsse, das die Stadt Rastatt für Ottersdorf erstellt habe. Mit dem möglichen Investor soll demnächst ein Gespräch geführt werden.
Angesichts der vielen Unwägbarkeiten zeigten sich die Kirchenchormitglieder skeptisch und sprachen sich für eine Erhaltung des Gemeindehauses aus. Der Chor solle nicht einfach zusehen, sondern sich aktiv gegen den Abriss wehren, waren sich die Anwesenden einig. Camboni stimmte zu und kündigte an, ein entsprechendes Schreiben an die Verantwortlichen zu verfassen. Pfarrer Padinjarakadan regte an, gemeinsam mit der politischen Gemeinde nach Lösungen zu suchen. Auch dieser Vorschlag wird weiterverfolgt. Camboni: „Wir werden das Gespräch mit Ortsvorsteher Stefan Lott suchen.“
Der Kirchenchor Ottersdorf will sich für die Erhaltung des katholischen Gemeindehauses einsetzen.