Kirchengeschichte, Seelsorger, Ordensleute Ottersdorf

 
Kirchengeschichte St. Ägidius Ottersdorf
Die Ottersdorfer Kirchengemeinde war über Jahrhunderte für das ganze Ried zuständig. Ursprünglich befand sich die Kirche der Rieddörfer im elsässischen Seltz.
Nachdem diese im Jahr 1307 zerstört worden war, als der Rhein sein Flussbett verlegte und damit auch das Ried von Seltz trennte, wurde es zu beschwerlich für die Bewohner des Rieds, die Seltzer Pfarrkirche zu erreichen.
Sie wandten sich daher mit Unterstützung des Markgrafen Rudolf VI. an Papst Gregor XI. Am 9. Mai 1371 genehmigte dieser die Errichtung einer Kaplanei in Ottersdorf. Am 20. Juni desselben Jahres erfolgte die Zustimmung aus Seltz, am 14. Januar 1376 schließlich die vom Bischof in Straßburg.
 
Über die ersten Jahre des Bestehens ist wenig überliefert. Ab 1412 gab es Bestrebungen, Ottersdorf zur Pfarrei für die Rieddörfer zu erheben, was am 24. Juli 1413 durch den Gegenpapst Johannes XXIII. geschah. Am 2. Januar 1415 zwischen der Abtei Seltz und dem badischen Markgrafen Bernhard I. legte die Details fest, womit die Gründung endgültig beschlossen wurde. In den Jahren 1418/19 wird Johannes Hertenberg als Pfarrer erwähnt, der wahrscheinlich aus dem Elsass kam und vermutlich der erste Pfarrer der Ottersdorfer Pfarrei war.
 
Chronist Alfred Groß
Bereits im 14. Jahrhundert bestand in Otterdorf eine dem hl. Aegidius geweihte Kapelle. Aegidius war einst Abt in der berühmten Abtei Saint gilles in Südfrankreich und ist am 1. September 720 gestorben. (Bis zum heutigen Tage feiert die Pfarrgemeinde an diesem Tage ihr Patrozinium; Anmerk. d. Chronisten)
Am 9. Mai 1371 teilte von Avignon aus (dort war bekanntlich von 1303 bis 1373 der Papssitz) der damalige Papst Gregor XI. dem Straßburger Offizial mit, Markgraf Rudolf VI. von Baden und die Bewohner der fünf Riedorte hätten wegen der weiten Entfernung zwischen der Selzer Kirche und der von ihr durch den Rhein getrennten Dörfer um die Genehmigung der Errichtung einer Kaplanei zu Ottersdorf gebeten, und beauftragte ihn, die zur Gründung dieser Kaplanei erforderlichen Schritte unverzüglich zu tun.
Doch "Gut Ding braucht gut Weil"; so auch bei der Errichtung der Ottersdorfer Kirche.  Erst am 24. Juni 1412 beauftragt der damalige Papst Johann XXIII. den Dekan der Straßburger Kirche, die inzwischen zur Kaplanei gediehene  Ottersdorfer Kirche von der Mutterkirche Selz zu trennen, und sie zur Pfarrkirche der fünf Rieddörfer zu erheben.
In einem Visitationsbericht vom 9. September 1666 wird die Muttergottes als Kirchenpatronin angegeben, was jedoch ein Irrtum ist und wohl durch das Altarbild verursacht wurde. Die ehemalige Ottersdorfer Pfarrkirche, von der heute noch der Turm steht, war im gotischen Stil erbaut. Im Visitationsbericht von 1654 heißt es,
 
"die Kirche hat keine Fenster", und vom Jahre 1699 wurd der Zustand wie folgt geschildert: "Das Gotteshaus ist  im Franzosen Kriege vollständig vom Feuer zerstört worden, auch die Glocken und Ornamente sind verbrannnt; es ist noch ein zimmerner Kelch vorhanden und ein einziges Meßgewand. Es wird befohlen, daß möglichst bald eine silberne Kapsel zur Aufbewahrung des Allerheiligsten Sakraments angeschafft werde. Auch soll bis Weihnachten ein Ewiges Licht angeschafft werden."
 
Das war jedoch laut Visitationsbericht von 1740 bis dahin noch nicht geschehen, weil - wie der Bericht weitersagt - die Einkünfte des Kirchenfonds nicht hinreichten, eine immer brennende Lampe vor dem Allerheiligsten zu unterhalten. daher solle die Gemeinde eine freiwillige Kollekte veranstalten.
 
Chronist Alfred Groß
Die gegenwärtige Kirche wurde im Jahre 1933 erbaut. Restauriert und ausgemalt wurd sie im Jahre 1884 von dem Dekorationsmaler Flick in Bühl. Die Orgel wurde von Voit in Durlach erbaut; die Uhr von Schwilque in Straßburg.
Über die alten Glocken ist im Pfarrbuch folgende Notiz zu finden:
 
"Im Jahre 1689, am 30. August , seien diese drei Dörfer: Ottersdorf, Wintersdorf und Plittersdorf, vormittags von der Besatzung Fortlouis verbrannt worden, wobei auch nach einem Staßburger Visitationsprotokoll von 1699 die Kirche von den Franzosen eingeäschert wurde. Dabei verschmolzen auch zwei große Glocken im Kirchturm zu Ottersdorf. Im Jahre 1699 wurden wieder zwei große Glocken gegossen - die größte in einem Gewicht von 15 Zentner und 23 Pfund, die kleinere von 7 Zentner und 76 Pfund. Das Erz wurde von den verbrannten Glocken verschmolzen, so konnten für die neuen Glocken insgesamt 19 Zentner "geläuter" werden."
 
Am 16. Oktober 1699 wurden die beiden Glocken durch Abt Joachim von Schwarzach geweiht. Die seinerzeit vorhandenen Glocken hatten folgende Inschriften: Die Große:
 
"Ave Maria gratia plena Dominus Tecum.
Susanne heiß ich,
zu ehren Mariä und Annä läutet man mich,
Ottersdorf, Wintersdorf unf Plittersdorf gehör ich,
Matacus Edel in Straßburg goß mich,
Simon Müller, Nikolaus Schäfer und Michael Müller,
drei  Schultheißen der Pfarrei"
 
Die mittlere Glocke hat die Inschrift:
 
"Gegossen von Ignaz Reinburg in Rastatt
für die Gemeinde Ottersdorf unter
Pfarrer Weiß und Bürgermeister Groß"
 
Die Inschrift der kleinen Glocke  lautete:
 
"Gegossen von Schweitzer und Sohn Rastatt,
unter Pfarrer Weiß und Bürgermeister Merkel.
Umgegossen unter Pfarrer Tisch (Disch) und Bürgermeister Blank"
 
Informationen zu den Kirchenglocken und Aufnahmen des Glockengeläuts gibt es auf der Internetseite der Erzbischöflichen Glockeninspektion.
 
 
Die Seelsorger
 
   ?
2004-2012         Pfarrer Peter Kuner,  Subsidiar*
2003-2010 - Pfarrer Walfried Asal
2010-2015          Pfarrer
2015-2022 -          Pfarrer Michael Dafferner, Leiter der Seelsorgeeinheit
2022                                       Pfarrer Gerold Siegel,   kommissarischer Leiter der SE von April-Oktober
2022-                                  Pfarrer Vincent Padinjarakadan (ab 1.11.)
 
 
*Ein Subsidiar (von lat. subsidium „Hilfeleistung, Hilfe“) ist ein katholischer Geistlicher, der einer Pfarrei oder ähnlichen Institution als Unterstützungskraft zugeteilt ist.
 
 
Klaus Krämer
Diakon im Zivilberuf
Schwerpunkte der pastoralen Arbeitsfelder:
 
Pastoral mit kranken und alten Menschen
Feier der Krankenkommunion mit Kranken und ihren Angehörigen
Glaubensgespräche
 
Leitung der Begräbnisliturgie, Taufen
Trauungen und Wortgottesdienste
Predigtdienst
1996 Weihe zum ständigen Diakon
 

    kontakt@kath-iffezheim-ried.de    

 
Katholische Kirche Sankt Ägidius
Ottersdorf hatte über den Lauf der Jahrhunderte zwei Kirchengebäude an der heutigen Stelle. Von der früheren Kirche ist eine Beschreibung aus dem Jahr 1777 erhalten, das in lateinischer Sprache berichtet. Offenkundig waren die Innenproportionen des Gebäudes sehr ungünstig, da das Kirchenschiff breiter als lang und das Langhaus teilweise um den Kirchturm herum gebaut war. 1833 riss man es ab und baute die heutige Kirche Sankt Ägidius im romanischen Stil.
 
Ihr Turm hat eine Höhe von 28 Metern. Er ist mit vier Glocken ausgestattet.
Bislang wurde die Kirche zweimal restauriert. 1884 führte der Dekorationsmaler Flick aus Bühl die Arbeiten durch, im Jahr 1938 dann Josef Wagenbrenner aus Rastatt. 1978 erhielt die Kirche an der Nordseite einen Anbau nach Plänen des damaligen Pfarrers Wolfgang Storf. Heute dient er als Sakristei.
 
Aus ungeklärten Gründen wurde die Kirche nach dem Bau nur gesegnet, nicht geweiht. Erst 150 Jahre später, am 25. November 1984, wurde die Weihenachgeholt.
2015 wurde die Kirchturmspitze erneuert, da das Holz im alten Kirchturm stark angegriffen war. 2020 musste die Kirche gesperrt werden, da wegen Fäulnis der Dachbalken Einsturzgefahr bestand.
 
 
Die Lage der Kirche
Die Pfarrkirche St. Ägidius steht in Mitten der Ortschaft, umgeben von einem kleinen Platz.
Etwas abseits findet sich das Gemeindehaus, das für Veranstaltungen genutzt werden kann.
 
 
 
 
 
Verfasser: Pfarrer Wolfgang Storf, anlässlich der Heimattage 1982
Die Pfarrgemeinde St. Ägidius
 
Die lange und ereignisreiche Geschichte unserer Pfarrgemeinde (selbständige Pfarrei seit 1415) kann mit diesen Zeilen nicht zur Darstellung kommen. Vielmehr soll die heutige Situation unserer Pfarrgemeinde (1928 Katholiken bei 2200 Einwohnern) kurz umschrieben werden.
Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 1965) hat die Verantwortung der Christen und ihrer Gemeinden "in der Welt von heute" unmissverständlich  herausgestellt. Jede christliche Gemeinde gründet in Jesus Christus, der gekommen ist, "die Frohe Botschaft zu verkünden" (Lk 4,18). Jede Pfarrgemeinde soll werden, was die Kirche als ganze ist und sein soll: Kraftfeld des Geistes Jesus, Anbruch der Gottesherrschaft, Ort der Menschenfreundlichkeit Gottes und Grundlegung der kommenden mit Gott versöhnten, gerechten und glücklichen Welt.
Wenn nicht alles trügt, erleben wir heute den Übergang von einer Volkskirche, der man noch selbstverständlich angehörte, zu einer Kirche, für die man sich persönlich entscheiden muss. Wer ein Christ sein will, wird sich dazu immer wieder entscheiden müssen. Auch nicht wenige Christen, die sich die Lehre und Praxis der Kirche nicht mehr voll zu eigen machen, blicken dennoch mit Erwartungen auf die Kirche. So wird die Kirche und damit unsere Pfarrgemeinde einen anderen gesellschaftlichen Stellenwert haben als früher.
 
Die Mitarbeit der Laien im Pfarrgemeinderat, im Stiftungsrat, in den vielfältigen Diensten unserer Pfarrgemeinde, in der Frauengemeinschaft, in der Jugend, im Kindergarten, im Altenwerk und bei der Betreuung der kranken und gebrechlichen Menschen sind unverzichtbar geworden. Der Anschluss an die Sozialstation St. Elisabeth in Rastatt erfolgte zum 1. Januar 1977.
 
Ursprung und Lebensmitte unserer Pfarrgemeinde aber ist und bleibt das Ostergeschehen, von dem im Gottesdienst in der Pfarrkirche die Lebensäußerungen ausgehen und worauf sie zulaufen. Die noch teilnehmenden Gemeindemitglieder (ihre Zahl nimmt leider ab!) erfahren, wie bereitwillig Lektoren, Kantoren, Kommunionhelfer, Organisten und Kirchenchor unsere Gottesdienste mitgestalten.
 
Die große Schar der Ministranten weiß sich auch außerhalb der Gottesdienste verantwortlich als Sternsinger und für unser Jugendhaus (seit 1970) in Ottenhöfen-Furschenbach.
 
Unsere Pfarrkirche wurde 1977 außen renoviert und die Sakristei 1978 erweitert. Bis zur 150 Jahrfeier 1984 soll sie innen renoviert und restauriert werden.
 
Das Gemeindehaus (erbaut 1971/72) ist der Ort der zwischenmenschlichen Begegnungen unserer Pfarrgemeinde. Die Pfarrbücherei ergänzt das Angebot des Kath. Bildungswerkes und der Gemeindekatechese.
 
Im Religionsunterricht bemühen sich unserer Lehrerinnen und Lehrer in zeitgemäßer und gediegener Weise, den Glauben zu vermitteln.
 
59 Jahre nach Pfarrer Joseph Müller (1977) wurde Gerold Siegel (Religionslehrer in Eberbach) 1973 zum Priester geweiht und konnte mit uns Primiz feiern. Wer wird ihm folgen?
Infolge des Mangels an neuen Ordensberufen hat die Provinzoberin der „Barmherzigen Schwestern vom Hl. Kreuz“ in Hegne 1974 unsere Schwesternstation unwiderruflich gekündigt. Durch ernsthaftes Bemühen konnte die Aufhebung bis jetzt noch verhindert werden. Sicher hat das einmalige Ereignis des dreifachen Profeßjubiläums 1980 dazu beigetragen.
 
Aus unserer Pfarrgemeinde sind als Ordensschwestern tätig:
Sr. Judith (Rosa Götz) in Hegne,
Sr. Lea (Luise Ott) in Bühl-Altschweier,
Sr. Veneranda (Mathilde Müller) in Rheinfelden-4,
Sr. Ruth (Stefanie Groß) in Singen,
Sr. Marielda (Elisabeth Groß) in Baden-Baden,
Sr. Petrosa (Johanna Steinacker) in Oberkirch,
Sr. Rosina (Hilda Fritz) in Chile,
Sr. Agnes Wahl, Provinzassistentin in Trier.
Wer wird diese Tradition fortsetzen?
 
Unsere Pfarrgemeinde hat ihre Kraft und Energie nicht nur für eigene Probleme eingesetzt oder nur Kirchturmpolitik betrieben. Über viele Jahre hinweg haben wir Hilfe geleistet für das griechisch-katholische Pfriesterseminar Zagreb und die Ausbildung eines jugoslawischen Priesters ermöglicht, der 1975 seine Nachprimiz mit uns feierte. Auch unsere Jugend unterstützt seit Jahren tatkräftig die Missionsarbeit von Sr. Rosina in Chile.
 
Kirchliche Arbeit ist die Erfüllung des Auftrags Christi: die Verkündigung des Wortes Gottes, die Feier der Liturgie und Spendung der Sakramente, der Dienst christlicher Liebe in Gemeinde und Gesellschaft. Jeder Zeit ist es aufgegeben, diesem Auftrag gerecht zu werden. Das ist in unserer heutigen Situation durch Arbeitsteilung und Zusammenarbeit in der Pastoral besser möglich. Diesem Ziel gemeinsamer Erfüllung pastoraler Aufgaben dient die Errichtung des Pfarrverbandes Rastatt durch Erzbischof Dr. Oskar Saier seit 1. September 1981, zu dem unserer Pfarrgemeinde gehört.
 
Aufgrund unseres Glaubens an Gott, der das Heil alles Menschen will und in der Menschwerdung Jesu Christi unsere Welt endgültig bejaht hat, wissen wir, dass die erhoffte neue Welt nicht das Ergebnis bloß menschlicher Eigenleistung sein kann. Was us trotz allem gelingt und zum, Wohl der Pfarrgemeinde beiträgt, wissen wir als Christen von Gott geschenkt; es bleibt dem zu danken, „der das Wollen und das Gelingen in uns wirkt“ (Phil 2,13)
 
 
 
 
Ordensschwestern aus der Gemeinde Ottersdorf
Aus unserer Pfarrgemeinde sind als Ordensschwestern tätig:
 
Sr. Judith (Rosa Götz) in Hegne,
Sr. Lea (Luise Ott) in Bühl-Altschweier,
Sr. Veneranda (Mathilde Müller) in Rheinfelden-4,
Sr. Ruth (Stefanie Groß) in Singen,
Sr. Marielda (Elisabeth Groß) in Baden-Baden,
Sr. Petrosa (Johanna Steinacker) in Oberkirch,
Sr. Rosina (Hilda Fritz) in Chile,
Sr. Agnes Wahl, Provinzassistentin in Trier.